Ruhrtriennale

Die Ruhrtriennale – das Festival der Künste lädt jedes Jahr zeitgenössische Künstler:innen ein, die monumentale Industriearchitektur der Metropole Ruhr zu bespielen. Hallen, Kokereien, Maschinenhäuser, Halden und Brachen des Bergbaus und der Stahlindustrie verwandeln sich in beeindruckende Produktions- und Spielorte, die das Festival unverwechselbar machen. Die Ruhrtriennale, deren Zentrum die Jahrhunderthalle Bochum ist, verortet sich an den Schnittstellen von Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Performance, Konzert, Installation, Bildender Kunst, Literatur und Diskurs und lädt zur Begegnung mit Kunstschaffenden sowohl aus verschiedenen Ländern als auch der Region ein. Das im Jahr 2002 aus der Taufe gehobene Festival besitzt internationale Strahlkraft und zieht jährlich eine Vielzahl von Besucher:innen aus dem In- und Ausland in die Metropole Ruhr. 

Die Programmausrichtung wird maßgeblich von der Intendanz bestimmt, die alle drei Jahre neu berufen wird. Intendantin der Ruhrtriennale 2021 – 23 ist die Schweizer Theaterregisseurin Barbara Frey. Intendant:innen der vergangenen Jahre waren Gerard Mortier (2002 – 2004), Jürgen Flimm (2005 – 2007/nach dem Tod der Intendantin Marie Zimmermann bis 2008 verlängert), Willy Decker (2009 – 2011), Heiner Goebbels (2012 – 2014), Johan Simons (2015 – 2017) und Stefanie Carp (2018 – 2020). 

Die Ruhrtriennale findet in der Regel von Mitte August bis Ende September statt. Gesellschafter und öffentliche Förderer sind das Land Nordrhein-Westfalen und der Regionalverband Ruhr.

Ruhrhaltigkeit

Als internationales Festival der Künste, das in denkmalgeschützten, weitverzweigten Industriestandorten des Ruhrgebietes stattfindet, sind wir täglich konfrontiert mit den verheerenden Auswirkungen der Montanindustrie an der Natur und den strukturellen Problemen der Mobilität in Nordrhein-Westfalen. Die Gründung der Ruhrtriennale im Jahr 2002 markiert zugleich ein Umdenken im Umgang mit dieser Vergangenheit und zeigt die Möglichkeiten und Chancen auf, die in der kulturellen Umwidmung ebenjener Orte liegen. 

Zugleich sind wir uns darüber im Klaren, dass wir durch unsere Arbeit für die Neuproduktion von Bühnenbildern und Kostümen verantwortlich sind, Ressourcen verbrauchen, Emissionen freisetzen, Flugreisen verursachen und teilweise selbst auf das Auto angewiesen sind, um von einem Spielort zum anderen zu gelangen. 

Wo genau liegen also unsere Möglichkeiten als internationales Festival? Wie lässt sich überhaupt noch etwas produzieren, wenn Emissionen und Ressourcen reduziert werden wollen? Auch wir sind in einem Dilemma, denn auf Kunst zu verzichten oder ein regionales Festival zu werden, kann keine Alternative sein.

Ist es angesichts all dieser Widersprüche richtig, sich hinter liebgewonnenen Ideologien zu verstecken? Wie können wir Berührungsängste mit dem Thema abbauen und zugleich zeigen, dass die kritische Selbstbefragung der eigenen Nachhaltigkeit nicht zwangsläufig einer kunstfeindlichen, asketischen Verbotslogik entspringen muss, sondern eine kreative, offene und lustvolle Auseinandersetzung sein kann?

Einige dieser Fragen können wir derzeit noch nicht beantworten, manche lassen sich nicht lösen, aber sie dienen uns als Leitfaden und sollen sukzessive in alle Bereiche unseres Festivals hineinwirken, um einer nachhaltigen Betrachtungsweise den Weg zu ebnen. Auf diesem Weg haben wir bereits verschiedene Maßnahmen getroffen, andere angestoßen, Verbündete und Partner:innen gefunden – beispielweise durch die Zusammenarbeit mit dem Studiengang für Nachhaltige Entwicklung der Hochschule Bochum oder unserer Beteiligung am Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit. 

„Wo genau liegen also unsere Möglichkeiten als internationales Festival? Wie lässt sich überhaupt noch etwas produzieren, wenn Emissionen und Ressourcen reduziert werden wollen? Auch wir sind in einem Dilemma, denn auf Kunst zu verzichten oder ein regionales Festival zu werden, kann keine Alternative sein.“

Sara Abbasi, Dramaturgin Ruhrtriennale